Situationsbeschreibung
Menschen mit Behinderung haben oft nur begrenzten Zugang zu Naturerfahrungen, ökologischer Bildung und praxisnahen Lernangeboten. Gleichzeitig fehlt es Schüler:innen und externen Gruppen häufig an Berührungspunkten zu inklusiven Lern- und Arbeitsformen.
Mit Be a Bee entsteht ein gemeinsamer Raum, in dem Naturerlebnis, nachhaltiges Handeln und inklusives Arbeiten selbstverständlich miteinander verbunden werden.
Projektvorhaben
Das Projekt baut drei eigene Bienenvölker auf und begleitet die Teilnehmenden durch den gesamten Prozess: vom Anlegen der Bienenstöcke über Pflege, Beobachtung und Honigernte bis hin zur Verarbeitung, Etikettierung und Präsentation des fertigen Honigs.
Ein Imker begleitet das Projekt fachlich. Die Gruppen arbeiten inklusiv zusammen und übernehmen Verantwortung im realen Produktionsprozess. Das Projekt ist nachhaltig angelegt und soll jährlich fortgeführt werden.
Zielgruppe
Be a Bee richtet sich an Menschen mit Behinderung aus dem Campus Mensch – insbesondere aus der Femos gGmbH und der GWW – sowie an Schüler:innen aus Kooperationsschulen. Durch die gemeinsame Projektarbeit entsteht ein natürlicher Begegnungsraum zwischen jungen Menschen, Mitarbeitenden mit Behinderung und pädagogischen Fachkräften.
Indirekt profitieren auch Angehörige, Lehrkräfte und das soziale Umfeld, da sie über Präsentationen, Honigverkauf und Projektkommunikation in das Erleben und die Ergebnisse eingebunden werden.
Ziele des Projektes
Ziel von Be a Bee ist es, einen inklusiven Lern- und Erfahrungsraum zu schaffen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ein vollständiges ökologisches und handwerkliches Produktionsprojekt durchlaufen. Sie erleben Natur hautnah, übernehmen Verantwortung für ein eigenes Bienenvolk und gestalten den Weg vom Rohprodukt Honig bis zum fertigen Glas aktiv mit.
Dabei stärkt das Projekt ökologische Bildung, fördert soziale Kompetenzen, baut Berührungsängste ab und zeigt praxisnah, wie nachhaltiges Wirtschaften und echte Teilhabe miteinander verbunden werden können.
Blogbeiträge zum aktuellen Stand
März & April: Bienen siedeln an & wir bemalen die Bienenbeuten
Mit dem Frühlingsbeginn startet unser Bienenprojekt Be a Bee offiziell. Nach mehreren Wochen der Vorbereitung waren die neuen Beuten einsatzbereit. Bevor jedoch die ersten Bienen einziehen konnten, stand noch eine Aufgabe, die Kreativität erfordert, an.
Ein neues Zuhause entsteht
Bienenbeuten sollen nicht nur funktional sein, sondern dürfen auch optisch ansprechend gestaltet werden. Gemeinsam mit den Projektteilnehmenden der Bodelschwinghschule Sindelfingen, dem BBB und dem Kinderhaus am S-Bahnhof haben wir die Beuten mit wetterfester Farbe bemalt. Dabei entstanden individuelle Motive und Farbkombinationen, die jede Beute zu einem Unikat machen.
Warum wir die Beuten bemalen:
- Farben unterstützen die Bienen bei der Orientierung am Standplatz
- Der Anstrich schützt das Holz vor Witterungseinflüssen
- Und nicht zuletzt: Das gemeinsame Gestalten macht Freude
Der Einzug der Bienenvölker
Kurz darauf folgte der wichtigste Schritt im April: Unser Imker Siegfried brachte die neuen Bienenvölker nach Gärtringen und siedelte sie in den vorbereiteten Beuten hinter dem Firmengebäude der Femos an. Die Bienen wurden vorsichtig eingeschlagen, ein geordneter und erstaunlich ruhiger Vorgang. Dieser hat uns gezeigt, wie strukturiert ein Bienenvolk selbst in einer Umzugssituation arbeitet.
Was wir dabei gelernt haben:
- Bienen reagieren friedlich, wenn man ihnen ruhig und respektvoll begegnet
- Die ersten Flüge nach dem Einzug dienen der Orientierung am neuen Standort
- Ein starkes Volk erkennt man an seiner Aktivität und einem gleichmäßigen Summen
Ein Start voller Vorfreude
Mit den frisch bemalten Beuten und den eingezogenen Bienenvölkern beginnt für uns ein spannendes Jahr. In den kommenden Monaten werden wir beobachten, lernen und Schritt für Schritt mehr über das Leben im Bienenstock erfahren.
April bis Juni: Pflege des Bienenvolkes
Nach dem Einzug der Bienenvölker im April beginnt eine spannende und intensive Phase der Entwicklung. Das Volk wächst schnell, baut Waben aus und sammelt erste Vorräte. Parallel dazu steigt auch das Interesse bei den Schülern und bei den Menschen mit Behinderung aus dem Berufs-Bildungs-Bereich: Immer mehr Teilnehmende verfolgen die Entwicklung mit großer Neugier, fassen Vertrauen im Umgang mit den Bienen und unterstützen den Imker aktiv bei den regelmäßigen Kontrollen. Die Gruppe wächst dabei fast so dynamisch wie das Bienenvolk selbst.

Foto: Andreas Sporn

Foto: Andreas Sporn
Bei den wöchentlichen Durchsichten werden Königin, Brutbild, Futtervorräte und Wabenbau überprüft, um die gesunde Entwicklung sicherzustellen. Besonders im Juni, wenn die Schwarmzeit ihren Höhepunkt erreicht, wird aufmerksam kontrolliert, ob Weiselzellen vorhanden sind. Gleichzeitig wird bei guter Tracht der Honigraum erweitert, damit die Bienen ausreichend Platz für den eingetragenen Nektar haben.

Foto: Andreas Sporn
Mitte Juni: Die Ernte
Mitte Juni ist es so weit: Die Honigernte steht an. Mit großem Engagement sind viele Teilnehmende dabei und helfen aktiv mit. Gemeinsam werden die Honigräume abgenommen und die Waben für die Weiterverarbeitung vorbereitet.

Foto: Andreas Sporn

Foto: Andreas Sporn
In der Honigküche, einem speziell für das Schleudern und Abfüllen vorbereiteten Raum, herrscht lebendiges Treiben. Die Teilnehmenden öffnen die Waben, entfernen sorgfältig die Wachsschicht und setzen die Rähmchen anschließend in die Schleuder ein. Viele nutzen die Gelegenheit und probieren den Deckelwachs, ein naturbelassener "Bienenkaugummi", mit frischem Honig und wertvolle Propolis.
Durch die vielen motivierten Helfer und die gute Stimmung wird das Projekt lebendig, an dem man zusammen ausprobiert, dazulernt und direkt mitmacht.

Foto: Andreas Sporn
Projektförderung
Finanziert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat.
Das Projekt wird unterstützt durch die Stiftung Campus Mensch.